Vorwort

„Gesundheit“ wünschen wir einander zu vielen Gelegenheiten

Ikbal Berber, M.A.
Präsidentin von Ramesch e.V.

In Meyers Lexikon wird der Begriff Gesundheit definiert als das „normale (bzw. nicht krankhafte) Befinden, Aussehen und Verhalten sowie das Fehlen von der Norm abweichender und laboratoriumsmedizinischer Befunde“. Nach dem Postulat der WHO ist Gesundheit ein „Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht allein das Fehlen von Krankheiten und Gebrechen“.

In allen Kulturen gehört Gesundheit zu den höchsten und wichtigsten Gütern. Ist aber auch das Verständnis von Gesundheit in allen Kulturen das gleiche oder wird sie je nach kulturellen Bedingungen anders interpretiert? Die Wahrnehmung von Krankheit und Gesundheit ist individuell unterschiedlich. Sie steht auch oft in Zusammenhang mit Alter, sozialem Umfeld, Bildungsstand und anderen Parametern.

In Deutschland leben zurzeit mehr als 15 Millionen Menschen mit einem anderen kulturellen Hintergrund. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung beträgt knapp 19 Prozent. Haben diese Menschen ein anderes Konzept von Gesundheit? Sind sie oder fühlen sie sich öfter krank als Menschen ohne Migrationserfahrung? Wie gehen sie mit „Krankheit“ um? Haben sie den Zugang zum Gesundheitssystem in Deutschland gefunden oder verstehen sie das System als „Krankheitsbehandlungssystem“? Wie nehmen sie die Gesundheitsaufklärung und sonstige präventive Maßnahmen in Anspruch? Gibt es flucht- oder sonstige migrationsbedingte Krankheitsursachen? Wie steht es zum Beispiel um die seelische Gesundheit von vor allem jungen Menschen, die in Konflikt geraten zwischen ihrer hier angepassten Lebensweise und der kulturell geprägten Lebensvorstellung ihrer Eltern?

All diese und andere pluralitäts- und heterogenitätsbedingten Fragestellungen müssten für die deutsche Gesundheitspolitik von großem Interesse sein. Von einer gezielten interkulturellen Öffnung der medizinischen Vorsorge und der medizinischen Betuung profitiert die ganze Gesellschaft. Volks- und gesundheitswirtschaftlich ist es viel preiswerter, in Gesundheit zu investieren als Krankheiten zu behandeln.

Im Gesundheitswesen sind viele Menschen ausländischer Herkunft als Medizinwissenschaftler, Mediziner, therapeutische, pädagogische Kräfte oder als Pflegepersonal beschäftigt. Mit ihnen und vielen anderen in diesem Bereich tätigen Personen möchten wir in der Veranstaltungsreihe „Gesundheit und Migration“ einen Überblick über den Zustand, die Notwendigkeiten und Zukunftsperspektiven schaffen.

Wir danken besonders dem Ministerium für Arbeit, Familie, Prävention, Soziales und Sport des Saarlandes dem Ministerium für Gesundheit und Verbraucherschutz des Saarlandes, die die Schirmherrschaft für unsere Veranstaltungsreihe 2010 übernommen haben. Unser Dank gilt auch allen Mitveranstaltern und Sponsoren, ohne deren ideelle und finanzielle Unterstützung die Realisierung unseres Jahresprogramms nicht möglich wäre.

 

Wir hoffen, dass unser abwechslungsreiches Veranstaltungsangebot mit Vorträgen namhafter Referenten und das unterhaltsame kulturelle Programm auf Ihr Interesse stoßen werden.