In Bewegung –Sport und Integration

Grußwort der Vorsitzenden

Sind Sie sportlich aktiv? Ja? Dann kennen Sie bestimmt mindestens einen Mann oder eine Frau mit ausländischem Namen persönlich. Interessieren Sie sich für Sport, auch ohne selbst aktiv zu sein, dann haben Sie im Zusammenhang mit Sportnachrichten viele ausländische Namen gelesen oder gehört. Ohne Asamoah, Odonkor, Klose und Neuville können wir uns unser „Sommermärchen“ nicht mehr vorstellen.

Ich habe jedenfalls nie darüber nachgedacht, woher diese Menschen kommen, ob sie ausländischer Herkunft sind oder nicht. Sie sind in erster Linie Mitglieder einer Mannschaft. Sie gehören dazu. Sie strengen sich mit den anderen gemeinsam an, um für die Mannschaft das Beste zu geben. Das ist Integration! Auf gleicher Augenhöhe kommunizieren, gleichwertig sein, Akzeptanz erfahren, dazu gehören.

Dies ist nicht nur im Spitzensport gegeben. Wenn Sie die Sportvereine in Ihrer Umgebung genauer anschauen, werden Sie feststellen, dass Menschen ausländischer Herkunft in allen Sportarten vertreten sind.

Der Sport hat etwas Besonderes. Die Regeln sind international. Es bedarf keiner besonderen Sprachkompetenz, um mit Anderen Fußball zu spielen oder um die Wette zu rennen.

Sport ist etwas Besonderes, weil man nicht unbedingt Spitzenleistungen erbringen oder viel Geld haben muss, um bei den meisten Sportarten mitmachen zu können. Es ist wunderbar für Migranten und Migrantinnen, vor allem zu Anfang, wenn sie die Sprache noch nicht beherrschen und kaum Leute kennen. Und wenn sie erst einmal im Verein Fuß gefasst haben, bleiben Sie dabei, auch nachdem sie die Sprache erlernt haben. Noch schöner und bedeutender wird der Verein, wenn er eine Heimat bietet: Mit der Migration erleben viele Menschen auch eine gewisse Entwurzelung. Sie können ihren Kindern selten zeigen, auf welchen Schulen sie waren, wo sie gekickt haben und ähnliches. Mittlerweile erleben wir im Saarland, dass viele Väter ausländischer Herkunft ihre Kinder in ihre ehemaligen Vereine bringen. Väter und Kinder sind zeitversetzt aktiv in demselben Verein. Im Hinblick auf den Aspekt „Sage mir woher ich komme, damit ich weiß, wohin ich gehe“, ist diese Art von Teilhabe am gesellschaftlichen Geschehen, ist dieses „Wir-Gefühl“ für die Integration mindestens so wichtig wie die Sprache.

 Also kann Sport für die Integration der Menschen ausländischer Herkunft von zentraler Bedeutung sein. Er leistet einen beachtlichen Beitrag zur positiven Entwicklung des Einzelnen und der Gesamtgesellschaft. Vor allem nach der Fußballweltmeisterschaft im vergangenen Sommer ist der Sport in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt. Wir sollten die Chance nutzen, die Möglichkeiten und Grenzen des Sports für unsere Gesellschaft zu analysieren. Denn die Möglichkeiten des Sports dürfen weder übersehen noch überschätzt werden.

Sport und Sportvereine sind keine Allheilmittel für alle Probleme in der Gesellschaft. Sport birgt auch Gefahren. Man muss schier blind und taub zugleich sein, um die Konflikte auf Fußballfeldern, in Zuschauerriegen der Stadien oder in Sporthallen zu übersehen und zu überhören. Auch im Sport herrscht nicht die „heile Welt“. Zum Teil treten die Probleme unserer modernen Gesellschaft wie Ellenbogenmentalität, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus auf Sportfeldern sogar intensiver auf als wir es in unserem Alltag kennen.

Erst wenn wir unsere rosaroten Brillen absetzen und offen auch für diese Realitäten sind, kann der Sport seine integrative Funktion erfüllen. Wir wollen, dass die ehrenamtliche Arbeit im Sport Unterstützung bekommt und mehr Anerkennung erfährt.

Deshalb haben wir uns in unserer Veranstaltungsreihe 2007 für das Thema „Sport und Integration“ entschieden. In Vorträgen, Seminaren und Diskussionsveranstaltungen wollen wir den Weg zur Integration durch Sport optimieren. Es wird uns eine Freude sein, Sie bei unseren Veranstaltungen begrüßen zu dürfen.

 Wir danken der Innenministerin, Frau Annegret Kramp-Karrenbauer, für die Schirmherrschaft und für die ideelle sowie finanzielle Unterstützung. Unser Dank gilt auch Frau Oberbürgermeisterin Charlotte Britz und Herrn Stadtverbandspräsidenten Michael Burkert und allen anderen Mitveranstaltern und Sponsoren, ohne deren Unterstützung dieses reiche und bunte Programm nicht hätte zustande kommen können.

 

Ikbal Berber

Vorstandsvorsitzende Ramesch e.V.