ALMANYA "Willkommen in Deutschland" 

Donnerstag, 15. September 2016, 19:00 Uhr
Kino 8 1/2
Nauwieserstr. 19, 66111 Saarbrücken

Ramesch - Forum für Interkulturelle Begegnung e.V. präsentierte am 16. September 2016 in Zusammenarbeit mit dem Kino 8 1/2 im Rahmen der Interkulturellen Woche sowie der Jahresreihe "Deutschland - Heimat vieler Kulturen" die Tragikomödie "Almanya - Willkommen in Deutschland", eine gelungene Regiearbeit der Geschwister Yasemin und Nesrin Samdereli.

Die beiden Filmemacherinnen erzählen in ihrem Film mit feinsinnigem Humor über das kultur- und generationenübergreifende Leben einer sogenannten türkischen Gastarbeiterfamilie in Deutschland. Die Begrüßung der Zuschauer übernahmen Waldemar Spallek vom Kino 8 1/2 der in den Film einführte, und Agatha Lallemand von Ramesch e.V. Letztere begründete die Auswahl des Filmes mit der positiven Haltung zu Zuwanderung, Beheimatung und Integration. Denn auf heitere und doch ernste, aber hoffnungsvolle Weise spricht "Almanya - Willkommen in Deutschland" Fragen nach Identität, Zugehörigkeit und Heimat an, die den Konflikten im deutsch-türkischen Alltag die Schwere nimmt. Dieser wohltuend neue filmische Blick der Regiseurinnen Samdereli setzte den Dramen, die sich um pure Verzweiflung und Ehrenmorde drehen, freudvollere und zukunfträchtigere Lebensentwürfe entgegen.

 

Der kleine Cenk hat ein Problem: Weder die deutschen noch die türkischen Kinder wollen ihn in ihrer Fußballmanschaft haben, weil er keiner Seite richtig zugehöre. Seine Mutter ist Deutsche und sein Vater Türke. Aber was ist er? Daraufhin erzählt ihm seine Cousine Canan zum Trost die Familiengeschichte ihres Großvaters Hüseyin Ylmaz, die in drei langen Rückblenden im Film aufgerollt wird. Hüseyin geht als Gastarbeiter in die Fremde und holt später seine Familie nach Deutschland, die zunächst keine große Begeisterung für die neue Heimat zeigt. Die Kinder weinen und gruseln sich über den ans Kreuz genagelten Jesus, seine Frau trennt sich ungern von ihrem Freundinnen in der Türkei. Im neuen Heim schrubbt sie dann entsetzt erst einmal die Toilette blitzblank, überwindet aber doch bravourös alle möglichen Hürden. Auf Wunsch der Kinder feierndie Eltern auch deutsch Weihnachten und Fatma, die Mutter, ist ganz stolz darauf, obwohl das Ergebnis nicht ganz den deutschen Gepflogenheiten entspricht. Dies alles geschieht mit viel Humor und wunderbarer Komik. Letzendlich verbindet die quirlige Großfamilie das Beste beider Kulturen, ohne vor Problemen gefeit zu sein. Die Enkelin von Hüseyin ist schwanger, ein Sohn lebt in Scheidung und Hüseyin selbst bereitet der deutsche Pass schlaflose Nächte. Der liebenswerte Patriarch löst seine durch die späte Einbürgerung hervorgerufene Identitätskrise, indem er kurzer Hand ein Haus im Dorf in der Türkei kauft. 

Die ganze Familie muss nach einem Machtwort den Heimaturlaub antreten, auch wenn bis auf Hüseyin niemand Lust dazu hat. Unerwartet stirbt er in der Heimat im Kreise seiner Familie, was neben der Trauer mit Skurillem verbunden wird: Der Verstorbene wird auf Grund der Bürokratie den letzten Teil der Reise tot zu seinem Haus gebracht, das sich als verfallene, unbewohnbare Ruine herausstellt. Dort wird er illegal begraben. Am Ende bleibt der älteste Sohn in der Türkei, um das Haus aufzubauen, der Rest der Familie kehrt nach Deutschland zurück.

Der warmherzige Film, gepaart mit fein dosierter Komik, berührt und amüsiert die Zuschauer zugleich und schafft trotz gelegentlich schwermütiger Passagen eine heitere Stimmung, die beim Verlassen des Films durchaus spürbar ist. Vor allem bietet die Tragikomödie die Möglichkeit, manch fest gefahrene Meinung der Integrationsdebatten aufzubrechen und für mehr Gelassenheit und Zuversicht zum Thema Zuwanderung zu sorgen.