Les Sateurs Those Who Jump

“Les Sateurs – Those Who Jump“

Der Film “Les Sauteurs – Those Who Jump” von Moritz Siebert, Estephan Wagner und Abou Bakar Sidibé thematisiert die Lage der Geflüchteten, die vor der spanischen Enklave Melilla den Weg in die Festung Europa suchen. Auch wegen seinem unkonventionellen erzählerisch sowie gestalterischen Ansatzes gewann der Film zahlreiche Preise, wie den Preis der Ökumenischen Jury Berlinale Forum 2016.

Als der Protagonist des Dokumentarfilms Abou Bakar Sidibé die Filmemacher Moritz Siebert und Estephan Wagnert trifft, lebt er schon über ein Jahr im Flüchtlingscamp und hatte mehrmals versucht, die Grenzanlage zu überwinden. Er übernimmt die Kamera und filmt seinen Alltag und das zermürbende Warten auf den nächsten „Sprung“. Damit ist er zugleich Protagonist und Dokumentierender.



Hautnah erlebt das Publikum eine Schicksalgemeinschaft, die sich zu einer faszinierenden Gesellschaft mit klarer hierarchischer Struktur entwickelt. Sidibé erweist sich als begnadeter filmischer Erzähler, der einen einzigartigen Perspektivwechsel ermöglicht und den tristen Ausblick auf das vermeintliche Eldorado Europa dokumentiert. Unermüdlich zeigt Sidibé seine Lebensrealität am Rande einer abgeschotteten EU.

Bei der Filmvorführung war der Regisseur Moritz Siebert anwesend, um in der anschließenden Diskussionsrunde Fragen zu dem Film zu beantworten. Das interessierte und zahlreich erschienene Publikum ließ sich diese Gelegenheit nicht nehmen und trat in einen spannenden Dialog mit dem Regisseur ein. So beantwortete der Regisseur Fragen zu der Entstehungsgeschichte des Films und der unüblichen gestalterischen Erzählform. Das Publikum zeigte sich auch besonders interessiert an der Beziehung zwischen dem Regisseur und dem Protagonisten. Schließlich würde bei einem so emotionalen und sensiblen Thema eine Distanzierung zu dem Protagonisten als Dokumentarfilmer sicherlich nicht leichtfallen, so der Tenor. Dies sei oftmals eins der am schwierigsten zu bewältigenden Dilemma mit denen sich besonders ein Dokumentarfilmregisseur beschäftigen muss.
Da der Protagonist mittlerweile in Deutschland lebt, konnten auch Fragen zu seiner aktuellen Lebenssituation gestellt und beantwortet werden.

Das Publikum konnte an diesem Abend einen hautnahen und ungeschminkten Bericht über die Situation von Geflüchteten, die an den Toren Europas auf Einlass hoffen, erhalten. Der Film schaffte es, aus der anonymen Masse der Geflüchteten ein Individuum heraustreten zu lassen und die Person Abou Bakar Sidibé greifbar zu machen, indem er dieser ein menschliches Bild entgegensetzt, dessen Lebenssituation mittels des ungefilterten Blicks durch die eigene Kameraführung lebendig wird.