Vorwort

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde des Vereins,

„Die Annahme, jede Kultur sei homogen, ist ein großer Fehler. Einen ‚Kampf der Kulturen‘ zu konstatieren, ist ebenso ein großer Fehler.“

Diese Worte des indischen Nobelpreisträgers Amartya Sen erweisen sich angesichts der Brisanz der aktuellen politischen Lage als prophetisch. Sie verdeutlichen uns, welche Auswirkungen es hat, künstliche Gräben zwischen Menschen verschiedener Kulturen aufzuschütten und Grenzzäune zu errichten, die man glaubte, für immer gebannt zu haben. Es darf und kann nicht sein, politische und gesellschaftliche Kräfte zu nähren, die menschenfeindliche und ausgrenzende Politik betreiben anstatt auf integrative Kräfte zu setzen. Unser Anliegen mit unserer Veranstaltungsreihe „Deutschland Heimat vieler Kulturen“ ist es, die Angst vor Veränderung zu nehmen und nicht zu schüren. Deshalb möchten wir daran erinnern, dass Deutschland seit seines Bestehens Menschen aus unterschiedlichen Kulturen Heimat geboten hat und mit unserer diesjährigen Reihe die Diversität der in Deutschland beheimateten Kulturen ins Blickfeld rücken.

 Diese bereichern und ergänzen unser öffentliches Leben, ob in Kunst und Kultur, bei einem Streifzug durch die kulinarische Vielfalt Saarbrückens oder anderer Städte, der Vielzahl von Vereinen, die unterschiedliche Kulturen und Traditionen pflegen, der Errichtung von Gebäuden und Einrichtungen, die die Einflüsse anderer Kulturen verraten oder auch der Gebrauch von Gegenständen aus anderen Ländern und vieles mehr. Stets sind wir in unserem Alltag bewusst oder unbewusst mit unvertrauten Einflüssen und Kulturen konfrontiert, deren Errungenschaften wir aber ganz selbstverständlich nutzen und nicht als fremdartig wahrnehmen.
Ebenso sollte die Einwanderung und gesellschaftliche Integration von Menschen anderer Kulturen im Bewusstsein einer immer breiteren Öffentlichkeit als Normalität und nicht als exotische Besonderheit oder gar Bedrohung gesehen werden. Denn die auch jetzt Hinzugekommenen werden in ein oder zwei Generationen ein Teil der hiesigen Kultur sein.

Damit möchten wir die Beheimatung der im Laufe der Generationen zugewanderten Menschen zum Ausdruck bringen sowie die positive Auswirkung der Migranten auf die Gesellschaft, ohne die Reibung und die damit verbundenen Herausforderungen von Zuwanderung zu leugnen. Kulturen befinden sich, wie die Menschen, die diese kreieren, im stetigen Wandel. Schließlich können sie sich nur durch neue und auch von außen kommende Impulse weiterentwickeln und so wiederum gesellschaftliche Prozesse in Gang setzen. Gerade in Deutschland wird sich wohl kaum eine Kultur finden, die nicht vertreten ist. Dies bietet Raum für Begegnungen, Erfahrungen, Weltoffenheit und Veränderungen, die gegenseitige Verantwortung und Verpflichtung bedingen. Fasst man Migration als Menschheitsgeschichte, verliert sie ihre Bedrohlichkeit und wir kommen dem Ziel eines friedlichen Zusammenlebens, ohne Kampf der Kulturen und Konkurrenzkampf ein gutes Stück näher.

Der Spruch „Heimat für alle“ erhält dann auch in Deutschland im Zeitalter von Globalisierung und Migration eine neue Bedeutung und Wahrhaftigkeit. Unser Jahresprogramm bietet abwechslungsreiche und anregende Inhalte in Form von Vorträgen, Gesprächsrunden, kulturellen Veranstaltungen mit namhaften Autoren und Künstlern.
Ich freue mich, Sie auf unseren Veranstaltungen begrüßen zu können.

 

Mohamed Maiga Präsident von Ramesch e.V.